Die Rede des Präsidenten
Weihnachtsfeier vom 16.12.2002



Liebe Lionsfreunde,
auf vielfachen Wunsch hier das Manuskript der Rede unseres Präsidenten 2002/2003, Prof.Dr. Jacques Mohnen, gehalten auf der Weihnachtsfeier unseres Clubs 2002. Es wird im wesentlichen unverändert veröffentlicht. Man bedenke beim Lesen, dass es sich dabei nicht um einen ausgearbeiteten Artikel, sondern um die Gedankenstützen eines freien Vortrages handelt
(F.Köhne)

 

Liebe Lionsfreunde, verehrte Damen, liebe Gäste,

vor 200 Jahren formulierte der französische Politiker Talleyrand: "Die Sprache wurde dem Menschen gegeben, um seine Gedanken zu verhüllen“. Ich hoffe, daß Sie nach meinen Ausführungen diesen weisen Spruch nicht bestätigt finden.

Advents-Gesang und Verse dienten der weihnachtlichen Besinnung, erlauben Sie mir nun einige Worte zur lionistischen Gesinnung. Sie kennen alle das Klischeé „Noblesse oblige“ oder für Nicht-Lateiner: „Lionismus verpflichtet“. Was heißt das?

„Noblesse“: Ein Mitglied wird in die Lions-Gemeinschaft aufgenommen, weil es sich beruflich ausgezeichnet hat und darüber hinaus bereit ist, eine soziale Verantwortung gegenüber der Gesellschaft zu übernehmen. Als Mitglied des Lions-Clubs Garmisch-Partenkirchen sind Sie eine anerkannte und somit gesellschaftlich einflußreiche, herausragende Persönlichkeit.
Wir legen größten Wert auf Qualiät unserer Mitglieder, nicht auf die Quantität des Clubs.
Auf Grund der Stellung unserer Mitglieder in der Gesellschaft sind wir als Lions-Club in der Lage, beispielhaft, also elitär zu handeln (nicht elitär zu denken, denn dies führt unweigerlich zur Selbstüberschätzung) und dort zu helfen, wo staatlichen Einrichtungen Grenzen gesetzt sind, oder – weltweit - wo Möglichkeiten der Selbsthilfe auf nationaler Basis ganz oder teilweise fehlen.

„oblige“: Eine ständige Herausforderung an uns ist es, die vorhandenen Kompetenzen, Talente, Kontakte unserer Mitglieder– also allgemein das vorhandene Club-Potential - zu mobilisieren und zu bündeln, um gemeinsam zu handeln, gemäß unserem Wahlspruch “We Serve“. (Das heißt kollektiv handeln - nicht „I serve“)

Über die familiäre Fürsorge und Verantwortung und über unsere beruflichen Verpflichtungen hinaus haben wir uns verpflichtet, wohltätige Einrichtungen zu unterstützen und Personen in Not zu helfen - regional, national und weltweit.

Gegenseitige Achtung und Toleranz sind dabei notwendige - aber nicht hinreichende - Voraussetzungen. Zur Umsetzung unserer Vorstellungen müssen wir einen „Gemeinschaftsgeist“ oder eine „Club Loyalität“ entwickeln, welche, im Idealfall zu echten „Freundschaften“ führen kann.

In der Sprache des Managements könnte man uns auf Grund der vorhandenen Kapazitäten als „Kompetenz-Zentrum“ charakterisieren, das aber nur dann effizient funktionieren kann, wenn alle Mitglieder sich Ihrer Verantwortung klar bewußt sind und diese auch einbringen.

Unsere heutige Weihnachtsfeier, die Clubabende und die Kaminabende dienen letztlich dem Zweck, dieses Gemeinschaftsgefühl und den dazu notwendigen Integrationsprozess innerhalb unseres Clubs zu fördern und zu festigen.
Gemeinschaftsgeist heißt: In der Planung und Umsetzung unserer Activities erwarten wir, daß ein Mitglied seine Lionsfreunde nicht im Stich läßt.

Da fast alle Lionsfreunde heute abend zur Weihnachtsfeier erschienen sind, bestätigt dies, daß dieser Gemeinschaftsgeist im Club in der Tat vorhanden ist.

Daß Sie, meine sehr verehrten Damen, wesentlich zu diesem Prozess der „Integration“ beitragen und darüberhinaus auch bei der Umsetzung unserer gemeinsamen lionistischen Aktivitäten beteiligt sind, wird von niemandem auch nur im geringsten bezweifelt.

Das erzwingt die unmittelbare Nachfrage: Warum nehmen wir dann keine Damen auf? Meine diplomatische „Entschuldigung“: „Es ist leichter mit der Mehrheit falsch zu liegen, als gegen die Mehrheit Recht zu behalten."

Im Ernst, die von Lions-International geforderte Öffnung ist ein evolutionärer Prozess - zwar unaufhaltssam, aber in seiner Umsetzung von Club zu Club unterschiedlich. Durch die von uns vorangetriebene Gründung des (gemischten) LC-Werdenfels sind wir zumindest temporär entlastet !

Zurück zu „Noblesse oblige“:

Für uns gilt nicht das Motto der drei Musketiere „alle für einen und einer für alle“ sondern einzig und allein: „alle für einen gemeinnützigen Zweck“. Dazu fühlen wir uns verpflichtet, das verstehen wir unter Noblesse oblige und danach wollen wir beurteilt werden:
„Wer immer strebend sich bemüht, und öfters auch was leistet, der ist ein echter Lion“.

Beispiele für unsere Erfolge im Werdenfelser Land:
Benefiz-Golfturnier für Klasse 2000 und Lions-Quest (Dieter Geuther, Wilhelm Lieser und alle Lions-Golfer),
Münzenumtausch für Lions Quest (Unter der Leitung von Werner Blank)
Büchermarkt für Hospiz e.V. (Uli Lueck, Freddi Büchler, Bernie Schindl, Heiner Sedlmeir, Toni Pöttinger, Manfred Zellner und alle Lions Büchersortierer und Verkäufer)
Notleidende Familie, Rheuma-Klinik
: (Karl Schnitzenberger, Dieter Tiedemann und Eckardt Eichler)
Spendenaktion Elbehochwasser
, Stadt Glauchau (Unter der Leitung von Georg Fink)

In Vorbereitung:
Benefiz-Eisstockschießen
: (Andreas und Dieter Geuther unter Mitwirkung zahlreicher Lfe)
Konzert des Gebirgsmusikkorps für Kindergarten Plus: (Georg Fink, Freddi Büchler, Christian Wolf, Manfred Zellner)
Zur Förderung des Gemeinschaftsgeistes gehört auch die Entwicklung moderner Kommunikationssysteme: Intern ist es uns gelungen, die Kommunikation miteinander wesentlich zu verbessern. (Manfred Zellner, Friedhelm Köhne) Viele Lionsfreunde sind jetzt mit E-mail erreichbar und leiden damit auch unter der computerinduzierten Agonie und Frustration. Trotzdem: Unser Ziel ist eine 100 prozentige, elektronische Vernetzung untereinander.
International:
Sight first, Schule in Afghanistan

Durch unsere Zugehörigkeit zu Lions International mit über 1,4 Millionen Mitglieder und als Staatsbürger generell werden wir immer häufiger mit kontemporären Problemen und Konflikten in der Welt konfrontiert. Als Staatsbürger sind wir politisch gefordert. Als Lions International sind wir mit den Konsequenzen politischer Entscheidungen gefordert.

Überbevölkerung, daraus resultierend zunehmende ökonomische Kontraste, daraus folgend zunehmende soziale Spannungen bis hin zur Radikalisierung. Gleichzeitig Globalisierung und der Kampf um Öl- und Wasserrechte, daraus folgend politische und wirtschaftliche Konflikte: In aller Munde zur Zeit ist Irak.

Gleichzeitig Konfrontation zwischen Weltreligionen, daraus resultierend Fanatismus und internationaler Terrorismus - ein globales und neues Problem. Wieder einmal ist der Frieden ernsthaft gefährdet und regionale Kriegsherde weiten sich aus mit globalen sozio-ökonomischen Konsequenzen

Krieg und Frieden: Zwischen Bangen und Hoffen. Es gibt keinen Heiligen Krieg - es gibt keinen gerechten Krieg - Krieg ist das allerletzte Mittel der Diplomatie. Krieg kennt keine Gewinner, er erzeugt immer nur Opfer:. Im Krieg werden die Seelen von Gewinner sowohl Verlierer geschwärzt. Das hat schon Luther so trefflich formuliert: „Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewänne und nähme doch Schaden an seiner Seele“.

Wer kann Ordnung schaffen in der heutigen Welt? Wer ist der „ehrliche Makler“, eine Führungsrolle, die Bismarck so erfolgreich innehatte?
Amerika als Weltpolizist? Theorie ist Demokratie-- Praxis ist das Streben nach wirtschaftlicher Dominanz
Die Vereinten Nationen? Theorie ist das Gewissen der Völkergemeinschaft - Praxis ist die Umsetzung der Beschlüsse nach Wohlwollen der Betroffenen.

Wir Menschen scheinen unfähig zu sein, unsere Probleme friedlich – also mit diplomatischen „Mitteln“- zu lösen. Unsere irdischen „Mittel“ scheinen leider und erfahrungsgemäß unvollständig oder ungenügend zu sein. Irgendwann werden wir dann einsehen müssen, was Andreas Hofer in der Bauernmesse so demütig ausgedrückt hat: „Es gibt kein Mittel mehr, wenn’s net kommt von oben her“

Und damit kommen wir zurück zu der Bedeutung von Weihnachten: Weihnachten ist auch das Fest der Hoffnung. Hoffen wir also auf diese Hilfe von oben - für unser aller Gut. Wo das menschliche Können und Wissen aufhört - da fängt der Glaube an.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein friedliches Neues Jahr.

Ihr Volker (Jacques) Mohnen